Durch die Nordägäis

... auf in die nördlichen Sporaden


1. Juno 2016 -> Ikaría (Ικαρία)
Heute Morgen ist es soweit. Um 09:00 Uhr Ortszeit werden die 130 Volvo-Pferde geweckt. Sie nehmen willig ihre Arbeit auf. Der Kapitän trinkt noch eben seinen Kaffee aus. Bis alle Leinen los sind und alle Nettigkeiten mit den Schiffsnachbarn ausgetauscht sind ist es 09:15 Uhr als die CALYPSO die Samos Marina unter lautem hupen verlässt. Kurs West – Richtung Nisos Ikaria. Das Wetter ist diesig, das Wasser ruhig. Der Wind lässt uns ungestört unseres Weges ziehen. Entlang der Südküste von Samos an der Innenseite von Nisos Samiopoula vorbei passiert die CALYPSO Kolpos Marathokampos und Ormos Limnionas in Richtung Inselgruppe Phournoi und weiter nach Nisos Ikaría. In atemberaubenden 5½  Stunden rauscht die CALYPSO die 35 Seemeilen, getrieben durch 130 Volvo-Pferde an ihr 1. Etappenziel. Um 14:45 Uhr läuft die CALYPSO im Hafen Órmos A. Kírykou (Όρμος Α. Κήρυκου)
ein. Die Schiffsführung freut sich über einen Liegeplatz am Steg an dem längsseits angelegt wird. Als am frühen Nachmittag der Hafenmeister 5,- € bekommt gibt es auch Strom.  

Der Name Ikaría wird von der Sage des Ikarus hergeleitet, der hier von seinem Höhenflug ins Meer stürzte. Das Wachs, mit dem seine Flügel  zusammengehaltenen wurden, schmolz in der Sonne. Auf der Mole des Hafens erinnert ein großes Denkmal an dieses Ereignis. 

Es ist ein kleiner Yachthafen direkt am Marktplatz der Stadt. Vom Schiff aus ist das fröhliche Treiben der Menschen zu beobachten. Rechtzeitig zu nachtschlafender Zeit tritt hier jedoch auch die Ruhe ein. Am nächsten Morgen soll es früh weitergehen.   

Nísos Ikarías



2. Juno 2016 -> Nísos Mýkonos - Ormos Tourlos 

Es ist 06:00 Uhr morgens als der Wecker lauthals nach der Besatzung ruft. Bähende und stilvoll zugleich wird diesem Ruf Folge geleistet. Gefrühstückt wird auf See. Kaffee muss aber jetzt sein. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und so wird die treibende Kraft der CALYPSO animiert mitzumachen. Der Motor widerspricht nicht und die Leinen werden gelöst. Um 07:00 Uhr nimmt die CALYPSO Fahrt auf und Kurs auf Nísos Mýkonos. Es ist ein langer Törn. 52 Seemeilen, davon 25 offene See. Der Wettergott meint es gut mit uns. Wir haben mit ihm und Rassmus unseren besten Quzo geteilt und um Unterstützung für unser Vorhaben gebeten. Klappt. Wind mit 2 Bft und kleiner Welle bei etwas diesiger Sicht kommen wir gut voran. Nach 2½ Stunden verlassen wir den Schutz der Südküste von Ikaría und begeben uns auf die unendlichen Weiten der Ägäis. Viel gibt es nicht zu sehen. Bis auf Wasser und ein paar Fracht- und Containerschiffe nichts. Bis in weiteren  2 Stunden Fahrzeit Nísos Mýkonos in Sicht kommt. Nun ist es 15:30 Uhr und wir liegen fest im Ormos Tourlos Mýkonos Marina. Der alte Stadthafen ist für Sportboote gesperrt.

Der 1. Eindruck ist erschreckend. Die gesamte Nordseite ist eine einzige Baustelle. Nur auf der Südseite bei den Kreutzlinern, Fähren und der gehobenen Motorboot-Klasse sieht alles vollständig aus. Sanitäre Anlagen konnten wir nicht ausfindig machen. Beschluss der Schiffsführung – hier bleiben wir nur eine Nacht. Die Geräuschkulisse durch Fähren und Kreuzliner ist beachtenswert und sorgt für unruhigen Schlaf. Gut, wir liegen wieder mal längsseits, nicht alleine und 22,- € incl. Strom sind für einen Baustellenplatz kein Schnäppchen.

Die  Besatzung macht einen Landgang in die Altstadt. Mit einem Wassertaxi ist diese schnell und bequem erreicht. Nach Besichtigung der üblichen Sehenswürdigkeiten und zwei kleinen Erfrischungsbieren für 18,- €uro zieht es die Besatzung zurück an Bord.

Morgen geht es weiter. Schaun wir mal.

 

Nisos Mykonos



3. Juno 2016 -> Nisos TinosHafen Tinos

Nach Nisos Tinos ist es nicht weit. Man gerade 10 Seemeilen. 1½ Stunden Fahrzeit soll reichen. So kommt es, dass sich die Besatzung morgens viel Zeit nimmt. Schließlich um 11:40 Uhr setzt sich die CALYPSO in Bewegung. Einige ankommende und gleichzeitig abfahrende Fähren mussten noch umschifft werden und dann ist die Fahrt frei Richtung Nord nach Tinos. Kaum haben wir die schützende Küste von Mýkonos verlassen kommt auch schon der neugierige Wind mit 2-3 Bft um die Ecke. In Begleitung gluggerten auch die Wellen bis zu 50 cm Höhe aus den unterschiedlichsten Richtungen mit. Dadurch war die CALYPSO  irritiert und benötigte konzentrierte Korrekturen vom jeweiligen Rudergänger. Wird der Kurs zurückverfolgt ist sehr schnell klar warum die Reise 2½ Stunden dauert.  

Im Hafen Tinos angekommen ist es 14:15 Uhr und es stellt sich die nächste Aufgabe. Rückwärts anlegen mit Bug Anker. Gemäß dem Motto: „learning by doing“ wird dieses Manöver selbstbewusst nach Lehrbuch angegangen. Einziger bisheriger Unterschied bei Ankermanöver – Der Kapitän sitzt am Ruder und die Bootsfrau bedient die manuelle Ankerwinsch. Trotz des Versäumnisses des Kapitäns die Funktionsweise der Winsch zu erklären klappt das Manöver auf Anhieb. Geringfügige Korrekturen des Handlings werden während des Manövers nachgeholt. Das Dinghi muss jetzt zu Wasser, damit die Pascarella ausgefahren werden kann. Schnell noch einen Blick in die Runde und der Stromanschluss ist gesichtet. Im Laufe des Tages folgen noch weitere Schiffe sodass alle dicht beieinander stehen.

Da sind wir nun. Im Stadthafen Tinos. Direkt am zentralen Kreisverkehr und dem Taxistand vor der Tür. Die Fähranleger sind weiter außen und stören nur wenig. Die Atmosphäre ist griechisch, laut und entspannt. Es ist eine ausgesprochen saubere Stadt. In kurzen Zeitabständen werden z.B. alle Mülleimer gelehrt, die Straßen gereinigt usw. Vom Liegepatz aus sind die Wege kurz in die Stadt. Der Besuch in der Wallfahrtskirche ist sehr beeindruckend. Die Menschen stehen Schlange mit teilweise sehr großen Kerzen in der Hand um gesegnet zu werden.  

Nach zwei Nächten entzieht sich die CALYPSO der lauten Betriebsamkeit um vor dem angekündigten Meltemi weiter zu kommen. Den Wind, der über die Berge aufs Meer huscht, wollen kein Motorboot, kein Segelboot und auch kein Fischer als Begleiter haben.


5. Juno 2016 -> Nisos AndrosOrmos Gavrion - Hafen Batsi

Es ist kurz nach dem Aufstehen, gefrühstückt wird wiedermal unterwegs, als um 09:00Uhr der Motor gestartet wird. Der nimmt seine Arbeit willig auf. Der 1. Offizier übernimmt das Ruder, der Kapitän selbst die manuelle Ankerwinsch. Nun wird an der Winsch gepumpt was das Zeug hält. Der 1. Offizier achtet darauf dass die CALYPSO unbeschadet aus der Parkbucht kommt. Anschließend muss die CALYPSO einen Moment im Hafenbecken dümpeln, damit der Kapitän das Dinghi noch verstauen kann. Der Kapitän sieht sich nach diesen gelungenen Manövern durchaus in der Lage ein Päuschen einzulegen während der 1. Offizier das Ruder fest im Griff hat. Jetzt geht es los Kurs Nord Richtung Nisos Andros. Hier soll das Ziel der Hafen Batsi sein. Die Wellen umspielen fröhlich die CALYPSO und der Wind rauscht neugierig über die Berge heran. Die Ablenkungsmanöver beeindrucken den 1. Offizier keineswegs. Auch nicht als im Seegatt zwischen Tinos und Andros beide Elemente noch eins drauf legen. Die Südwestküste von Andros ist erreich als der Schichtwechsel am Ruder vollzogen ist. Diese Situation finden Wind und Welle langweilig und ziehen sich zurück. Die Weiterfahrt verläuft sehr ruhig. Um 14.00 Uhr ist die CALYPSO nach 28 Seemeilen fest am Steg. Wiedermal längsseits und gut vertäut. Der Meltemi hat sich angekündigt. Die Schiffsführung beschließt darauf hin hier abzuwettern und erstmal 5 Tage zu bleiben. 50,- € incl. Wasser und Strom am Steg ist OK. Am 6. Juni zeigt die griechische Marine vor der Bucht ihr können. Abends machen sie sich auf den Weg, wohin auch immer. Und dann ? Am nächsten Tag ist der Meltemi da. Es fällt ihm schwer weiter zu ziehen. So warten wir auf die Dinge die da kommen. Samstag den 11. Juni geht es weiter – nach Evvoia (Euböa). Schaun wir mal.


11. Juno 2016 -> Nisos Evvoia (Euböa)Ormos Karystou

Für 09:00 Uhr war die Abfahrt aus Batsi geplant. Tatsächlich sind die Leinen um 08:20 Uhr los und die CALYPSO macht sich auf den Weg. Geplant ist die Bucht Ormos Kastri an der Südostküste Evvoias. Der Wetterforcast mit drohendem Südwind unterstützte dann jedoch den Alternativvorschlag im Ormos Karystou den Hafen anzulaufen. Im Schutze der Westküste von Andros war die Fahrt sehr angenehm. Das Wasser ruhig und als Wind begleitet uns nur er Fahrtwind. Und dann kam das Seegatt Stenon Kaphireos zwischen Andros und Evvoia. In der Dokumentation der Region als sehr anspruchsvoll beschrieben und 6,5 Seemeilen breit. Die Großschifffahrt nimmt deutlich zu. Die Offiziere der CALYPSO haben alle Schiffe im Blick. Und dennoch ist der kürzeste Weg nicht zu fahren. Lange neugierige Wellen bis zu 1m Höhe verlangen einen anderen Kurs. Souverän stellt sich die CALYPSO dieser Aufgabe. Der auffrischende Wind führt ebenfalls nicht zur Verunsicherung bei. Der Weg und die errechnete Fahrzeit ist zwar insgesamt länger geworden und gibt keinen Anlass zur Sorge. Mit 7 Knoten überfährt die CALYPSO das Seegatt Stenon Kaphireos  und läuft um 12.15 Uhr im Hafen von Karystou ein. Schnell ist ein Liegeplatz ausgemacht. Längsseits. 15 Minuten später ist die CALYPSO fest und 21 Seemeilen zurückgelegt. Überzeugend ist der Platz dann nicht, liegen am Kai doch allerlei Fischerutensilien. Also Leinen los und ein anderes Plätzen gesucht und zügig gefunden. Das Anlegemanöver mit Bug Anker gelingt ausdrücklich gut, war die Kommunikation zwischen 1. Offizier, an der Ankerwinsch, und Kapitän am Ruder völlig abgestimmt. Die Anmeldeformalitäten bei der Küstenwache sowie Wasser- und Stromanschluss sind schnell und einfach erledigt. Jetzt kann der Wind woher auch immer kommen. Tut er auch an den folgenden Tagen. Er treibt das Wasser vor sich her sodass die Wellen an die Mole krachen und zerbersten. Im Hafen ist alles ruhig und der Anker sitzt. Am Montag glauben Regen und Gewitter nochmals auf sich aufmerksam zu machen. Hat aber nicht lange gedauert. Am Dienstag ist alles wieder OK bei strahlender Sonne und leichter erfrischender Brise. Donnerstag, am 16.6. soll es weitergehen. Schaun wir mal.

Nisos Evvoia - Karystou



16. Juno 2016 -> Nisos Styra - Westbucht 

Am 15. Juno morgens um 10:00 Uhr in Karystos kommt eine freundliche junge Frau an die CALYPSO und weist sich als offizielle Mitarbeiterin der Stadt aus. Unmissverständlich und freundlich macht sie deutlich, dass noch eine Kleinigkeit geregelt werden muss. Die Verweildauer der CALYPSO an diesem Steg hat sie auch parat. Sodass die Liegegebühr mit 21,- € schnell ausgerechnet ist. Das hat jedoch keinen Einfluss auf unsere Weiterreise. Die steht für den 16. Juno schon länger fest. Nun noch die üblichen Kontrollen wie Motoröl, Bilge, Seewasserfilter, Drucklager und Steverohrdichtigkeit. Jetzt ist die CALYPSO klar zum Auslaufen.

Es ist der 16. Juno 07:00 Uhr morgens als der Wecker pünktlich zum Dienst ruft. Die Vorbereitungen zum Ablegen werden getroffen. Dazu gehört auch der Kaffee. Schließlich macht sich die CALYPSO um 8:40 Uhr auf den Weg. 24 Seemeilen wollen heute zurückgelegt werden, um dann in einer kleinen Bucht auf Nisos Styra zu ankern. Die Fahrt verläuft ruhig. Dennoch wird von der Navigation höchste Konzentration gefordert. Der Autopilot versagt seinen Dienst. Da eine griechische Militäreinrichtung in der Nähe ist, darf manuell navigiert werden. Das klappt gut und die CALYPSO läuft um 12.30 Uhr in die Bucht ein. Der Ankerplatz ist schnellentschlossen ausgemacht und kurzdarauf der Anker fest. Die letzte Zufriedenheit fehlte dennoch. Also eine andere Stelle in der Bucht gesucht. Der Kapitän hat Dienst an der Ankerwinsch und ist froh dass nach dem 4. Ankermanöver um 14:00 Uhr der richtige Platz gefunden ist. Es ist eine wunderschöne Bucht die zum Schwimmen einlädt. Die CALYPSO ist das einzige Schiff und wir bleiben über Nacht. Kein Wind kein Schwell nur die laute Natur. Die Insel selbst darf nicht betreten werden.


17. Juno 2016 -> Hafen Aliveri – Ormos Aliveri 

Nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht erwacht die Crew der CALYSO gegen 08:00 Uhr morgens von alleine und völlig ausgeschlafen. Nach den üblichen Ritualen und einem ausgiebigen Frühstück geht es weiter. Die Uhr zeigt 10.20 als die Maschine läuft und der Anker gelichtet ist. Der neue Kurs heißt Aliveri. Entlang der Westküste von Evvoia geht es dem Ormos Aliveri entgegen. Bei strahlend blauem Himmel ohne Wind und Wellen kommt die CALYPSO gut voran. Die Überfahrt von 3 Stunden gleicht der Fahrt mit dem Paddelboot übern Ententeich. Für etwas muss der Kapitän dennoch sorgen. Die CALYPSO bewegt sich immer noch größten Teils im griechischen Militärübungsgebiet. Also immer noch kein Autopilot und der Kapitän darf seine navigatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Kurz nach Mittag läuft die CALYPSO in den  Hafen Aliveri gemeinsam mit einem Segler ein. Wirkliche Liegeplätze gibt es nicht, sodass der Segler nach kurzer Zeit den Hafen wieder verlässt. Die Offiziere der CALYPSO entdecken zwischen allen Fischerbooten und Moorings hinter einer liegende Segelyacht ein Plätzchen. Gerade groß genug um längsseits zu gehen und nicht mit irgendwelchen Moorings in Konflikt zu geraten. Nun ist der Hafen voll. Es entsteht der Eindruck, dass Gastlieger nicht wirklich willkommen sind, zumal die vorhandenen Versorgungssäulen aufgrund einer alten Baustelle nicht in Betrieb genommen sind.  Der Ort selbst erweckt den Eindruck eines gemütlichen Fischerdorfes. Der gegenüberliegende Industriehafen stört nicht wirklich. Für eine Nacht ist es auszuhalten und kein Problem.

Aliveri



18. Juno 2016 -> Marina Chalkis – Nisos Evvoia

Der Kaffee ist gekocht und so geht es um 09:15 Uhr weiter mit Kurs auf Chalkis. Frühstück gibt es unterwegs. 24 Seemeilen durch den Notios Evvoikos Kolpos in etwas mehr als gemütlichen 4 Stunden. Wettertechnisch gibt es glücklicherweise wieder nix zu meckern. In den Fahrwassern Diavlos Avlidos und Diavlos Steno  kurz vor Chalkis nimmt die Wassertiefe deutlich ab. Durch die Betonnung stellt dies jedoch keine Herausforderung dar. Die Schiffsführung entscheidet sich bis zur Schleusung der Schiebebrücke die Marina Chalkis anzulaufen und zwei Nächte zu bleiben. Es gibt Schwimmstege mit Moorings und niemanden der beim Anlegemanöver assistiert. Also wird kurzerhand ein Liegeplatz ausgeguckt und angelegt. Die Frau der nebenliegenden  Segelyacht hilft schließlich bei den Heckleinen. –DANKE-. 13:25 Uhr und alles ist fest. Der 18. Juno ist ein Samstag, da wird in der Marina nicht gearbeitet. So bemühen sich die Offiziere die Örtlichkeiten zu erkunden um dann schließlich an Wasser und Strom zu kommen. Da die CALYPSO immer noch mit dem Private Pleasure MaritimeTraffic Document unterwegs ist führt der Weg auch zur Coast Guard. Die erklärt dem Kapitän, dass nur noch ein Stempel pro Jahr notwendig ist. Und den hat die CALYPSO für 2016 bereits. Beim  Besuch des Port Service Center wird die Gebühr für den Liegeplatz in der Marina, die Gebühr für Wasser und Strom und die Gebühr für die Schleusung der Schiebebrücke eingefordert. Gleichzeitig wir das Procedere zur Schleusung erklärt und darauf hingewiesen dass der genaue Startplan am Abend vor Brückenöffnung per Funk bekannt gegeben wird. Unsere Schleusung ist für Montag ca. 03:00 Uhr morgens vorgesehen. Nun ist alles geklärt und der Bootsalltag kann kommen. 


19. Juno 2016 -> Hafen Achilleion – Ormos Pteleou

Den heutigen Sonntag nutzt die Crew der CALYPSO um sich ein wenig in Chalkis umzuschauen. Es ist ein Ort der sehr durch Tourismus geprägt ist. Tavernen, Bars und Restaurants in allen Facetten und allen möglichen musikalischen Richtungen und Lautstärken. So wundert es niemanden als der Rückzug zum Schiff eingeschlagen wird. Dabei entdeckt die Schiffsführung dass sich der Wartekai vor der Brücke als auch die Bucht sich mit Yachten füllt. Kurzum wird die Marina Chalkis  verlassen und ein Plätzchen am Wartekai aufgesucht. Diese Nacht zum 20. Juno soll die Schleusung sein und so ist es wichtig Vorbereitet zu sein. Nun noch schnell das Funkgerät eingeschaltet und – fertig. Nun heißt es warten. Als es um 22:00 Uhr nicht die zugesagte Information gibt wird so mancher Skipper unruhig und fragt nach. Ziemlich schroff wird vom Port Service Center um Geduld gebeten. Als um 03:00 Uhr nachts immer noch keine Info vorliegt beschließt die Schiffsführung sich der Müdigkeit zu ergeben und sich schlafen zu legen. Es war ein langer Tag und jetzt ist endlich schlafen angesagt. Genau 10 Minuten lang. Denn plötzlich dröhnte es aus dem Funkgerät dass jetzt die Brücke geöffnet wird. Alle Schiffe werden namentlich angerufen und dürfen sich bereit melden. Langsam setzen sich um 03:25 Uhr 10 Yachten in Bewegung. Es ist ein imposantes Schauspiel auch für die vielen Passanten an den Ufern. 7 Yachten machen sich auf den Weg an die Kaimauer der anderen Seite. Der CALYPSO scheint das zu unruhig, so direkt an der Flaniermeile, und beschließt das nächste Ziel anzulaufen. In der Ormos Pteleou liegt der kleine Ort Achilleion .  Nach 67 Seemeilen und 12 Stunden Fahrt erreicht die CALYPSO am 20. Juno um 14:30 Uhr das erklärte Ziel. Am Ufer stehen fleißige Helferlein vom Charterer marinayachting.hr, Ecker gibt es nicht mehr, die beim Anlegen mit Mooring helfen und auch Wasser und Strom zur Verfügung stellen. Auf der CALYPSO gehen diesmal die Lichter früher aus als sonst. Es war immerhin eine lange und die 1. Nachtfahrt und die Crew hatte mehr als 36 Stunden (-10 Minuten) keinen Schlaf.

Achilleion ist ein kleiner relativ ursprünglicher Ort. Keine Bank, keine Taxen, keine Autovermietung. Nur 1 Bus einmal am Tag. Kleine Mini-Märkte versorgen die Menschen mit dem Lebenswichtigen. Die Sanitären Anlagen des Vercharterers marinayachting.hr dürfen gegen einen kleinen Obolus benutzt werden. Andreas ist Österreicher und lebt hier. Er ist derjenige der mich mit seinem Privatauto in die nächste größere Stadt fährt um Geld aus dem einzigen Geldautomaten zu holen um anschließend wieder mit seiner Hilfe einen Tankwagen zu bestellen. 273 Liter werden nachgefüllt, das entspricht etwa 1 Liter Diesel pro gefahrener Seemeile oder ca. 6 Liter pro Stunde. Da halten sich die 130 Volvo-Pferde doch sehr zurück. Die Tagestemperaturen haben sich mittlerweile bei 36° C festgesetzt. Außerhalb der Bucht ist noch kräftiger Wind mit neugieriger Welle. Wenn die Beiden sich beruhigt haben geht es weiter. Schaun wir mal.


22.  Juno 2016 -> Agios Loanis – Paleo Trikeri

Heute wird es nur ein kurzer Trip. Das Ziel ist die hafenähnliche Bucht Agios Loanis auf der Insel Paleo Trikeri im Pagasäischem Golf und ist nur 11 Seemeilen entfernt. Die Fahrzeit wird mit 2 gemütlichen Fahrstunden geschätzt. Somit geht alles mit gelassener Ruhe vonstatten. Die Leinen sind um 08.30 Uhr los. Wind und Welle haben heute scheinbar keinen besonderen Auftrag und lassen uns in aller Gemütlichkeit fahren. Tatsächlich läuft die CALYPSO um 10:15 Uhr in Agios Loanis ein und die Crew staunt nicht schlecht. Alle Anlege- und Ankermöglichkeiten durch eine Flottille besetzt. Diese Situation will keiner. Die Ruhe und Gelassenheit des Kapitäns wird dann auch belohnt. Nachdem die CALYPSO die 3. oder 4. Runde im Hafen gedreht hat ist erkennbar, die Flottille bricht auf. Bei neun Schiffen dauert es etwas. Damit es nicht eintönig wird bemüht sich ein Wassertaxi für bewegende Abwechslung. Das bleibt auch den ganzen Tag bis ca. 22:00 Uhr so. Nachdem die Flottille weitergezogen ist finden wir einen ruhigen Liegeplatz mit Buganker zwischen den einheimischen Fischern. Es gibt nicht nur kein Wasser und Strom es gibt auch kein Netz. Himmlische Ruhe ohne Handy ist angesagt, jedenfalls auf der CALYPSO. In eine der beiden Tavernen stärkt sich die Crew mit frischem Salat und frischgezapften Bier.  Das schwache WiFi lässt wenigstens die wichtigsten Daten abfragen.


24.  Juno 2016 -> Hafen Milina – Ormos Vathoudi

Bei strahlendem Wetter und ausgedehntem Frühstück sind die Leinen um 10:45 Uhr los und der Kapitän hat die 40 m Kette manuell eingeholt. 8 Seemeilen sind nun wirklich keine Entfernung.  Doch gerade guckt die CALYPSO an der Nordspitze der Insel Alatas ums Eck, ist der Wind vor Freude  kaum zu bändigen und die Wellen umspielen aufgeregt die CALYPSO. Diese wiederum gleitet geschmeidig durch die leichte Dünung. Bald ist der Hafen Milina in Sicht. Ein kurzer Besuch zeigt, die freien Plätze sind entweder reserviert oder zu flach. Also wieder raus und weiter zur naheliegenden SunSail- Basis im Ormos Vathoudi.  Nun scheint die Pleite perfekt. Das Wetter wird unruhig, ähnlich wie die Offiziere der CALYPSO. Der Hafen Milina ist nicht geeignet und – die SunSail-Basis gibt es auch nicht. Bistra und Thomas, Freunde die wir auf der Donau kennenlernten und jetzt besuchen wollten sind selbst mit ihrem Boot unterwegs. Dank Elektronik wurde kurzer Hand Kontakt aufgenommen und es erfolgt die Bestätigung dass die Basis nicht mehr existiert. Dafür dürfen wir die private Mooring der S/Y MARIANA 2 von Bistra und Thoms in der Bucht benutzen. D A N K E . Jetzt ist die CALYPSO sicher. Wind und Welle haben offensichtlich keinen Spaß an dieser Situation und beruhigen sich relativ schnell. Das Ankergefühl wird in vollen Zügen genossen. Vom Boot ins Wasser springen, oder Erkundungsfahrten mit dem Dinghi unternehmen. In der Taverne Marianthi können wir vorzüglich essen und unsere Vorräte auffrischen. Es wird fließend deutsch gesprochen und wir fühlen uns herzlich aufgenommen als würden wir schon Jahre hier her kommen. Der Sprung zu den Sporaden ist nicht mehr weit. Schaun wir mal.

 

27. Juno 2016 -> Hafen Lutraki (Glossa) – Ormos Lutraki

ACHTUNG Sporaden wir kommen. So heißt das Projekt heute. Um niemanden zu wecken löst sich die CALYPSO leise von der Mooring und nimmt um 08:20 Uhr Kurs auf die Sporaden. Als Ziel ist Skiathos anvisiert. Also zurück durch den Pagasäischen Golf und Diavlos Trikeri Richtung NO vorbei an Agia Kyriaki und Chondri Ammos nach Skiathos. Das Wetter ist gut und so kommt die CALYPSO zügig voran. Als dann das Seegatt zwischen Trikeri und Skiathos passiert wird, sind Wind und Welle doch sehr neugierig und bewegt wer sich da vorbei traut. Die CALYPSO bahnt sich unbeeindruckt ihren Weg zu den ersten Buchten. Ankern steht auf dem Plan. Dieser Plan wird schnell revidiert, weil alle Buchten mehr als gut besucht sind. Der Hafen Skiathos wird nicht angelaufen da die vielen Fähren, die ständig ein- und auslaufen, nicht zum Verweilen einladen und der Hafen sehr voll aussieht. Später wird das bestätigt. Neuer Plan. Lutraki auf Skopelos klingt gut. Skiathos werden wir auf dem Rückweg erobern. Um 14:30 Uhr sind wir am Schwimmsteg im Hafen Lutraki (Glossa) mit Buganker fest. Wasser und Strom gibt es am Steg. 10,20 €uro Liegegebühr für 3 Tage scheint den Offizieren für diesen sicheren Platz nicht zu viel. Zwischen durch wird mit einem geliehenen Roller die Insel erkundet. Und natürlich steht die Kapelle Agios Loannis sto Kastri oder Mama-Mia-Kapelle mit auf dem Programm. Die 110 Stufen werden natürlich auch erklommen. Diese Kapelle ist ein Wallfahrtsort für alle Urlauber.  

Dieser Plan hat schon mal geklappt! Wie es weitergeht?

Schaun wir mal.


30. Juno 2016 -> Hafen Agnontas

Im Laufe der Tage hat sich der Schwimmsteg von Lutraki bis zum letzten Platz gefüllt. Die AMAZONE, ein Segler aus Bremen, und ein deutsches Charterehepaar sind dabei. Und siehe da, die MRS. SIPPI, ein deutscher Segler den wir aus Samos kennen, hat sich auch platziert. Die CALYPSO beschließt den gefüllten Ort zu verlassen um weiterzufahren. Nach kurzer und reiflicher Überlegung steht Agnontas als Ziel fest. Also Leinen los und Anker gelichtet. Der Hafen ist nicht sehr tief somit bleibt wenig Platz zum Manövrieren. Um 10:40 Uhr verlässt die CALYPSO den Hafen Lutraki.  Aufgrund von vorgelagerten Riffs auf der Südseite von Skopelos  macht die CALYPSO einen größeren Bogen. Für einen kurzen Moment wird es dann lebendig. Einer großen Fähre muss ausgewichen werden. Die Wellen die uns dann freudig entgegen streben schauten mit ihrer 2 m Höhe schon mal aufs Deck. Bis auf ungesichertes Geschirr, auf das vorerst verzichtet werden muss, bleiben Schiff und Mannschaft unversehrt. Danach geht es ruhig weiter. Kurz vor 13:00 Uhr hält die CALYPSO ihre Nase in die Bucht von Agnontas und nähert sich in Schleichfahrt einem möglichen Liegeplatz. An der Südseite gibt es eine Pier mit Wasser und Strom. Außer einem Segler liegen hier ein paar kleine Schiffe die wie selbstverständlich den meisten Raum einnehmen. Für die CALYPSO bleibt noch Raum genug um längsseits fest zu machen. Nach den üblichen Anlegeritualen kommt dann der Sprung ins 27°C kühle Nass. Ein schöner Platz der zum Schwimmen einlädt. Rechtzeitig zum Fußballspiel Italien-Deutschland treffen 3 junge Leute mit ihrem gecharterten Boot ein. Gemeinsam drücken wir erfolgreich für Deutschland in der naheliegenden Taverne die Daumen. Um Skopelos näher kennenzulernen entern wir einen Linien-Bus und fahren damit nach Skopelos-Stadt. Bei 36°C lässt die Konzentration und Ausdauer schnell nach. Dennoch bleibt zu bemerken, dass die Chora ausgesprochen schön und typisch mit ihren bunten Häusern ist und zugleich der Tourismus eine große Rolle spielt. Zurück in Agnontas sehen wir wie das deutsche Charterehepaar aus Lutraki mit ihrer Segelyacht einläuft und ebenfalls festmacht. 


3. July 2016 -> Hafen Patitiri - Alonissos

Heute verlassen wir vorerst Skopelos und steuern die Insel Alonissos an.  Es ist 10:10 Uhr als die CALYPSO sich auf den Weg macht. Die Sonne scheint typisch. Der Wind kommt mit 3 Bft aus Nord daher und mischt das Wasser ein wenig auf. Im Seegatt zwischen den Inseln umspülten dann die Wellen verärgert die CALYPSO. Geführt durch den jeweiligen Rudergänger gleitet dennoch das Schiff sicher durch das Wasser. Eine Chance einen Ankerplatz in einer der nahenden Buchten zu bekommen hatten wir nicht wirklich. Andere Boote sind mal wieder früher und schneller unterwegs. Also ab in den Hafen Patitiri. Nach gefahrenen 10 Seemeilen ist um 12:30 Uhr ist die CALYPSO mit Buganker fest. Die Freude ist groß als wir die schweizerische Segelyacht aus Batsi wiedersehen. Wasser und Strom sind gegen eine kleine Gebühr am Kai vorhanden. Kaum hat die Besatzung das Manöverbier geschlürft füllt sich der Hafen schnell bis zum letzten Platz. Mit dabei sind auch die 3 jungen Leute mit ihrer Charteryacht die uns auch freudig begrüßen. Mit dem Linienbus erkunden wir die Insel und sehen dabei schöne kleine und gutbesuchte Buchten. U.a. auch Steni Vala. Diese hafenähnliche Bucht mit fester Pier ist ein Idyll. Mit einer handvoll Schiffen sind aber auch alle Plätze schnell besetzt. Dieses Phänomen haben wir überall erlebt. Wir sind wohl zu spät in den Sporaden unterwegs. Das hält uns nicht davon ab tags darauf  eine zweite Entdeckungsreise mit dem Bus zur Chora (Old Town) von Alonissos zu unternehmen. Ein Ort der mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants zum Verweilen einlädt. Der Ausblick von hier oben ist nicht zu beschreiben. Den muss sich jeder selbst antun.


7. July 2016 -> Hafen Elios (Nea Klima)- Skopelos

Der bewegte Hafen mit seiner Fülle, Ausflugsdampfern und täglichen Fähren führt dann zum Verlassen dieses Hafens. Wie von anderen Bootseignern zu hören ist, sind auch auf Alonissos die Buchten und Häfen gut besucht. Daher wird der Beschluss zurück nach Skopelos zu fahren umgesetzt. Zügig verlassen wir Patitiri und machen uns auf den Weg nach Elios (Nea Klima). Im Seegatt überrascht uns dann die Welle von der Seite. Der Kurs für die CALYPSO wird sofort geändert. Jetzt dauert die Fahrt zwar länger und ist dafür ruhiger. Nach 16 Seemeilen und 3½ Stunden dümpelt die CALYPSO im Hafen von Elios als die Offiziere in Deutsch auf einen freien Liegeplatz hingewiesen werden. Nachdem gelungenen Anlegemanöver mit Buganker staunen wir nicht schlecht. Zwei alte Bekannte begrüßen uns herzlich. Es sind Petra und Wolfgang aus Germersheim mit ihrem Motorboot KUDDL. Sie betrieben ein Clubhaus am Rhein an dem wir auf unseren Weg nach Samos 2013 eine Nacht festgemacht hatten. Sie haben sich ebenfalls mit dem Boot auf den Weg nach Griechenland gemacht. Die S/Y AMAZONE sowie das deutsche Charterehepaar und die 3 jungen Charterer machen schließlich das Treffen komplett. Das Daumendrücken für die deutsche Nationalmannschaft zur EM hat dann nichts genutzt. Strom und Wasser gibt es gegen eine Gebühr, wenn dann ein Stecker an der Säule frei ist.

Hier bleiben wir 3Tage bis sich alle voneinander verabschieden und in alle Winde zerstreuen.

Unseren Plan … mit dem Boot in die nördlichen Sporaden - haben wir erfolgreich umgesetzt. Wir hätten sicher auch noch mehr sehen und erkunden können. Wir glauben, wir waren für uns zur falschen Zeit da. Die Fülle in den Buchten und Häfen luden uns nicht ein. Aus dem gleichen Grund konnte Skiathos uns nicht überzeugen. Und dennoch lohnt sich der Weg hierher immer wieder.  

Wind und Welle erkennen unsere Absicht die Sporaden zu verlassen und versuchen uns auf ihre Art zurückzuhalten. 

Doch wir fahren weiter zum Festland