Die Donau


Die Donau ist der wasserreichste und mit einer Länge von 2857 Kilometer nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Sie ist der einzige große europäische Fluss, der von Westen nach Osten fließt. Und sie ist der internationalste Fluss der Welt: Zehn Länder werden von der Donau auf ihrem Weg vom Schwarzwald in das Schwarze Meer berührt oder durchflossen. Die Donau kann von der Einmündung des Main-Donau-Kanals bei Kelheim bis zum Schwarzen Meer auf einer Länge von 2414 Kilometern von großen Schiffen der Berufsschifffahrt befahren werden.


Tag 74 – 24. July 2013
Morgens um 8:00 Uhr sind beide Schiffe unterwegs. Die Nürnberger Leitzentrale bestätigt die Besetzung von 2 Schleusen. Vor der Schleuse Abbach wartet schon ein Binnenschiffer auf uns. Mit dem geht es zügig auch durch die Schleuse Regensburg. Schluss für heute mehr geht nicht. In der Marina Regensburg, ein kleiner unauffälliger Hafen, machen wir um 12:30 Uhr fest. Ein kurzer Tag, und ohne Schleusen geht nix. Der Kapitän macht nix und der Smutje erweitert die Vorräte. Am Abend gibt es ein kleines Gewitter mit Regen. Bringt nicht viel. Morgen geht es auf alle Fälle weiter.
 

Tag 75 – 25.July 2013
Der Morgen beginnt, wie der Abend aufgehört hat. Leichter Schmuddelregen und diesig. Dennoch sind um 8.00 Uhr die Leinen los. Lt. Leitzentrale sind die Schleusen ganztätig besetzt. Das macht froh und hebt die Stimmung. Nach 90 Km und 2 Schleusen laufen wir in Deggendorf um 17:00 Uhr ein. Erst kommt Erstaunen, dann Entsetzen und zum Schluss Gleichgültigkeit. Es ist spät und wir müssen festmachen. Schließlich findet sich noch ein Steg an dem wir „ran“ können. Geräumige Häfen gibt es nur wenige. Da ist die CALYPSO etwas verwöhnt. 2 Maße sind in dieser Region einfach wichtig. Länge über Alles und Tiefgang. Die Hafenbeschreibungen sind manches Mal einer Marketingfeder entsprungen. Und nicht immer ist die Gelegenheit alle Feinheiten eines Hafens aufgrund unserer kurzen Liegezeit zu entdecken.

Tag 76 – 26. July2013
Wie mittlerweile gewohnt geht die Fahrt morgens um 9:00 Uhr weiter. Nach kurzer Abwesenheit reist nun auch die Sonne wieder mit. Die Temperaturen steigen übermäßig. Der Grad der Wiedergutmachung wird langsam überschritten. Nach ruhiger Fahrt und gelungener Schleusung wartet in Obernzell die nächste Herausforderung. Selbst die Hafenlieger trauen ihren Augen nicht als sie von unserem Liegewunsch genau in diesem Hafen erfahren. Der Hafenmeister behauptet: „Das passt schon. Wassertiefe 2,50 m.“ Er vergisst nur zu erzählen wo im Hafen diese Wassertiefe ist. Der Kapitän fährt dieses Manöver selbst und braucht 2 Anläufe um dem Hafenmeister zu zeigen, es sind 80 cm. Mit dem 3. Versuch findet der Kapitän, ganz nah an den Hafenliegern vorbei, eine Unterwasserfurt die mit 1,50 m Tiefe den Einlass in den Hafen ermöglicht. Nun ist 16:00 Uhr und 35° Grad heiß und somit Zeit für das Einlaufbier. Gegen 20:45 Uhr trifft das Julchen aus München mit Gepäck für 2 Nächte ein. 


Tag 77 – 27. July 2013
Heute ist Hafentag angesagt. Der Hafen selbst ist zwar klein, das Angebot der Aktivitäten ist umso größer. Neben Tennis, Fußball und Volleyball gibt es ein Schwimmbad. Hier wird ein angenehmer Aufenthalt möglich.  Aufgrund der nochmal erhöhten Temperatur ist die gesamte Mannschaft mit dem Julchen im Schwimmbad anzutreffen. Nachmittags stellen sich weitere Gäste aus Bayern ein. Petra und Matthias scheuen sich nicht der Hitze zu trotzen und uns auf dem Schiff zu besuchen. Die Besatzung der CALYPSO freut sich riesig und sagt: D A N K E. Zum gemeinsamen Abendessen reicht die Zeit nicht mehr. Der Smutje weigert sich wegen der Tagestemperaturen seinen Job zu machen. Und nun ? Wie immer in diesen Fällen – Käptn´s Dinner in der Pizzeria um die Ecke und danach ab in die Kojen.


Tag 78 – 28. July 2013
Nachdem Frühstück verabschiedet sich Julchen und die CALYPSO macht sich zum nächsten Etappenziel auf den Weg. Schlögen – ein Hafen von einer anderen Dimension.

Großzügig für alle Schiffsgrößen, auch mit Ankermöglichkeiten, angelegt. Die Tagestemperatur übertrifft alles bisher Dagewesene. Baden im Hafen ist nicht nur erlaubt sondern zwingend notwendig. Der Wetterbericht ist dann ein Spielverderber, als er vor Regen, Sturm und anderen  Unzumutbarkeiten warnt. Diese Androhungen werden erst zu nachtschlafender Zeit in verminderter Form wahr.


Tag 79 – 29. July 2013
Unbestechlich wie der Wecker ist, ruft er um 6:00 Uhr zum Tagesanbruch. Widerworte werden nicht akzeptiert. Der Blick aus der Luke verrät dass es dem Regen bei uns besser gefällt als erhofft. Die Besatzung der CALYPSO hat sich bis 8:00 Uhr mit der erforderlichen Energie versorgt. Das gleiche gilt jetzt für die CALYPSO. Also ab zur Tankstelle an der Hafeneinfahrt und eben nochmal die Dieseltanks gefüllt. Mensch und Maschine sind jetzt bereit den Weg fortzusetzen. Der Regen ist unentschieden. Mal kommt er mit, mal bleibt er. Das CALYPSO-Team bleibt davon unbeeindruckt. Wichtig sind zwei Schleusen und 45 Kilometer  zurückzulegen. Der Wettergott kündigt abermals Unwetter an. Um 14:15 Uhr ist unser Etappenziel Linz erreicht. Es reicht noch für das Einlaufbier und dann fängt es an zu regnen. Wir wollen den Wettergott nicht verstimmen, aber Unwetter kenn ich aus der norddeutschen Region anders. Was soll es. Warten wir ab und schaun dann mal. Morgen geht’s weiter.

Tag 80 – 30. July 2013
Gnadenlos versieht der Wecker seinen Dienst. Es ist 6:00 Uhr morgens. Der Regen ist über Nacht geblieben. Der Wind, offenbar sein Kumpel, hat sich dazu gesellt. 53 Km und 2 Schleusen sind heute unsere Vorgaben. Der Zielort heißt Grein. Um 8.00 Uhr sind die Leinen los und wir auf dem Weg. Der Regen bleibt in Linz. Der Wind begleitet uns merklich. Es ist 12:30 Uhr als wir vor Grein auf eine nicht bezeichnete Untiefe auflaufen. Der Wellenschlag der vorbeifahrenden Polizei machte uns wieder flott. Einen kurzen Moment braucht die Schiffsführung zur Klärung der Lage. Den Hafen Grein gibt es nicht mehr. Dann heißt das Kommando: “Wir fahren weiter“!  Die Besprechung  ergibt ein neues Ziel. Sportboothafen Marbach. Es ist noch früh und nur 1 Schleuse und 29 Kilometer weiter, also schaffbar. Die versprochenen 3,00 m Wassertiefe gibt es auch in Marbach nicht. Und 1,30 m reichen uns zum Festmachen um 16:30 Uhr. Das Einlaufbier und das anschließende griechische Mèze als Abendessen an Bord vom genialen Smutje bereitet, schließen einen erfolgreichen Tag.


Tag 81 – 31. July 2013
Wir haben Glück. Der Wecker ruft erst um 6:30 Uhr. Es ist ein schöner morgen. Kein Wind mit viel Sonne. Wenn das kein Anfang ist. Schnell noch die morgendlichen Formalitäten, z.B. Liegegebühr bezahlen etc., erledigen und los. Es ist 8:50 Uhr als wir den Hafen verlassen. Um 10:00 Uhr müssen wir an der Schleuse sein. Warum? Die Schiffsführung der CALYPSO hat gelernt, dass es für Sportboote Schleusenzeiten gibt, wenn nicht gerade die Berufsschifffahrt vorbei kommt. So ist es auch an der heute ersten und einzigen Schleuse. Pünktlich sind wir da und werden auch freundlich geschleust. Danach ist die Donau sehr behilflich bei der Reisegeschwindigkeit. Der Wind glaubt plötzlich auch unterstützend mit einzugreifen. So sind wir mit 20 Km/h gut unterwegs obwohl die Fahrrinne nicht immer klar erkennbar ist und die Berufsschifffahrt deutlich zugenommen hat. Es ist 12:00 Uhr als unser heutiges Ziel erkennbar wird. Es der Hafen von Krems. Ein privater Hafen mit einer außerordentlich guten Hafenstruktur. Wir finden schnell einen Platz und eine halbe Stunde später schlürfen wir schon unser traditionelles Einlaufbier. Ein kleiner Orientierungssparziergang mit anschließender Stadtrundfahrt geben uns einen angenehmen Überblick dieser Stadt.


Tag 82 – 1. August 2013
Auch diesen Hafen mit Top-Struktur verlassen wir. Es ist 9:15 Uhr als wir die Brücke in der Hafenausfahrt passieren. Unseren Zielhafen in Tulln informieren wir über unsere Ankunft und Schiffsgröße. Die Schleuse Altenwörth unterstützt unsere zügige Fahrt. Wir wollen pünktlich ankommen, da Dorli und Wolfgang sich angekündigt haben. Bei unserer Ankunft blockieren wir ein wenig die Hafeneinfahrt. Der aufmerksame Hafenmeister musste zuerst die bereits liegenden Schiffe zurechtrücken, damit ein Platz für die CALYPSO geschaffen werden kann. Klappt problemlos. Bereits um 12:30 Uhr sind die Leinen fest. 40 Kilometer und eine Schleuse sind bemerkenswert schnell zurückgelegt. Um 17:00 Uhr treffen Wolfgang und Dorli mit dem Auto ein. Nachdem sie eingezogen sind machen wir uns auf den Weg zum Stadtbummel mit anschließendem Essen. Auf dem Rückweg zum Schiff stellen wir noch das Auto am Bahnhof ab. Ein gemütlicher und stimmungsvoller Abend geht zu Ende.


Tag 83 – 2. August 2013
Dorli und Wolfgang fahren mit uns weiter. 37 Kilometer und eine Schleuse erlauben uns heute erst um 10:30 Uhr abzulegen. In Zusammenarbeit mit einem Fahrgastschiff und der Schleuse Greifenstein kommen wir gut voran. Unser Tagesziel Marina Wien ist um 14:00 Uhr erreicht. Die gesamte Mannschaft der CALYPSO und Dorli testen jetzt die Schwimmtauglichkeit der Donau. An den Gesichtern ist erkennbar – geht super! All´ diese Aktivitäten ließen Besatzung und Gäste der CALYPSO der Erschöpfung nahe kommen, sodass ein Dinner im Hafenrestaurant notwendig wird. Nachdem die anwesenden Mücken uns zum Aufgeben drängen, geben wir nach und legen uns zur Nachtruhe.


Tag 84 – 3. August 2013 bis Tag 85 -  4. August 2013
Viele Dinge wollen heute vollbracht werden. Der 1. Offizier der CALYPSO und Dorli machen sich schon früh auf den Weg um das Auto von Tulln nach Wien zu überführen. Wer die Details kennt  spricht von einer Odyssee. Abgekämpft und gut vom Schweiß gewässert kommen die Beiden nach 6 Stunden im Hafen an. Es stehen jetzt natürlich die üblichen Erfrischungsrituale an. Nachmittags trifft wie vereinbart Kirstin aus Düsseldorf ein. Nachdem sich jeder an seinem Schlafplatz eingerichtet hat wird gegrillt. Mit dem neuen LOTUS-Grill. Dorli und Wolfgang opferten sich als Spediteure, und brachten den Grill aus Deutschland mit. Die Stimmung wächst als plötzlich der Kapitän die Runde auflöst mit der Bemerkung: “Ich hau mich hin“! Dabei ist es erst 4:00 Uhr morgens und immer noch 25° C warm.
Der heutige Tag dient dem relaxen, Sinne sortieren und Kräfte sammeln. Irgendwie müssen wir die astronomischen Temperaturen abwettern. Am frühen Abend fahren wir zum Prater und anschließend zum Stephansdom. Wir haben gerade diese touristischen Attraktionen abgearbeitet und suchen ein gemütliches Plätzchen zum Essen als der Regen glaubt: “Da mach ich mit“. Der Regen scheint nicht sehr beliebt. Alle Restaurants mit Terrassen schließen und lassen den Regen Draußen. Und da – plötzlich ist die Rettung zu sehen. Eine Bude mit Dachüberstand. Wir stellen uns unter. Und was gibt es in dieser Bude? – Wiener Würst’l. Jetzt nix wie ran. Schnell ist dieser Klassiker bestellt und verzehrt. Die Temperaturen gehen merklich zurück und wir auch zum Schiff. Morgen soll es weitergehen.


Tag 86 – 5. August 2013
Die Abreise ist heute für 9:00 Uhr geplant. Schnell noch Wasser bunkern. Der Motor tut sich heute schwer in Gang zu kommen. Außer ein Klicken ist beim Starten nichts zu hören. Gott sei ‚s gepriesen hat der Kapitän die Starthilfe, die er von Lisa und Jo geschenkt bekam – nochmals DANKE- , tags zuvor geladen. Vorsehung? Also 220 V wieder angeschlossen und ab in den  Maschinenraum. Der Dieseldruck ist weg weil sich der Filter gelöst hat. Das kennt der Kapitän. Das Filter angezogen alle 12 Volt Verbraucher ausgeschaltet und? – Wow – der Motor gibt sich die Ehre. Nun ist alles für die Fahrt vorbereitet. Vorsichtshalber wird der Dieseltank an der Hafentankstelle nochmals gefüllt und dann geht es um 10:00 Uhr los. Die Schleuse Freudenau und weitere 60 Kilometer legen wir heute zurück. Bei Donaukilometer 1873 verlassen wir Österreich und sind in der Slowakei. Im Sportboothafen Bratislava, direkt am Restaurant, wird uns von Dodo, der Besitzerin, ein Liegeplatz zugewiesen. Die deutsche Sprache ist nicht unbekannt. Die CALYPSO wird sehr gastfreundlich und zuvorkommend aufgenommen. Die Speisekarte ist ausreichend, sodass jeder zum Abendessen seinen Favoriten findet.


Tag 87 – 6. August 2013
Um 7:30 Uhr gibt es gemeinsames Frühstück im Restaurant. Danach verabschieden wir Dorli und Wolfgang. Sie fahren erst mit de Zug nach Wien, das Auto abholen, und dann mit dem Auto nach Bremen zurück. Es ist 9.50 Uhr als wir uns auf den Weg nach Komarno machen. Die Schleuse in Gabĉikovo nimmt uns mit der Großschifffahrt mit und verkürzt damit unsere Reisezeit. Jetzt sind es noch 53 Kilometer und schon haben wir den Hafen Kormano erreicht. Miro der Hafenmeister ist zur Stelle. Er weist uns ein und bringt uns abends in ein schönes Restaurant. Dass Essen ist lecker. Zurück geht es dann im stock-dunkeln zu Fuß. Wegen der Bewegung nach dem Essen.


Tag 88 – 7. August 2013
Die Nacht verläuft ruhig. Wir frühstücken in Ruhe. Miro reserviert im Hafen von Esztergom einen Platz für uns. Unsere Schiffslänge und Tiefgang ist lt. Attila, Hafenmeister von Esztergom, kein Problem. Die CALYPSO macht sich mit Besatzung und Gast auf den Weg. Zwischendurch wird die Gastlandflagge von Slowakei auf Ungarn umgesetzt.


Die Hafeneinfahrt unseres Zielhafens verursacht auf der Stirn des Kapitäns Falten des Mistrauens und der Nachdenklichkeit. Der Hafen liegt ca. 100m in der Kis-Duna (Alter Donauarm), ist 10 m breit und 1,50 m tief. Umdrehen ist nicht möglich. Die CALYPSO fährt ein und wird absolut freundlich empfangen. Über die Ausfahrt macht sich der Kapitän Gedanken wenn es soweit ist. Um 14:00 Uhr ist alles fest und die Formalitäten erledigt. Ein heißer Tag der nur genossen werden will, nachdem alle Notwendigkeiten wie Proviant bunkern erledigt sind. In der Abendkühle ist die Stadtbesichtigung mit testen der regionalen Küche angesagt.


Tag 89 – 8. August 2013
Ab 8.00 Uhr geht das Gewusel am Steg los. Wir machen mit. In Ruhe gefrühstückt und alle wichtigen Vorbereitungen sind erledigt. Freundliche und kompetente Skipper am Steg helfen unser Boot händisch umzudrehen. Der 1. Offizier ist deutlich zufrieden.

1.) Das Manöver verläuft glatt. 2.) Der Kapitän als diensthabender Rudergänger kann vorwärts den Hafen verlassen. Alle sind zufrieden. So können wir uns um 9:45 Uhr auf den Weg nach Budapest machen. Mittlerweile erinnert uns die Fahrt daran warum es Donau-Kreuzfahrt heißt. Die Donau ist zwar manchmal sehr breit, die Fahrrinne bleibt gerne mal schmal und  wechselt beliebig die Uferseiten. Wassertiefen zwischen 1,50 m und 6,00 m in diesem Donauabschnitt sind normal. Die Berufsschifffahrt hält sich in Grenzen und stört nicht wirklich. Die Betonnung für die Fahrrinne ist eher zurückhaltend. Ein gutes Fernglas hilft uns rechtzeitig die notwendigen Tonnen, wenn vorhanden, zu finden. In Budapest angekommen haben wir eine wirkliche Aufgabe zu lösen.  Mit 1,20 m Tiefgang können wir uns so manchen schönen Hafen nur von außen ansehen. Endlich, nach 1 Stunde kurven und gucken machen wir um 16:30 in der Marina Budapest fest. Die einzige Stelle an der wir mit unserem Tiefgang fest machen können. Im Hafenrestaurant gibt es jetzt ein frischgezapftes Einlaufbier. Unser Thermometer geht nur bis 40°. Der Zeiger schien jedoch schon leicht gebogen. Hochachtung vor dem Smutje! Bei dieser Temperatur brutzelt sie ein geniales Abendessen für 3 Personen.  D A N K E !


Tag 90 – 9. August 2013
Um 7:00 Uhr klingeln alle Wecker an Bord.  Die Mädels springen auf und bereiten sich auf die Stadteroberung Budapest vor. Der erste Kaffee ist geschlürft. Der Kapitän hat die Ausflugsfahrräder  präpariert und los geht es – für die Mädels. Der Kapitän bleibt am Schiff. Die Überprüfung aller wichtigen Ventile und Bilgen geben keinen Anlass für irgendwelche Aktivitäten. Jetzt wird noch der Wasservorrat aufgefüllt und 80 Liter Diesel gebunkert. Man weiß ja nie wann das wieder möglich ist. Nachdem die Mädels wie verabredet um 11:00 Uhr fast zufrieden zurück sind, nicht alle Geschäfte sind geöffnet, wird noch schnell die Liegegebühr bezahlt und die Leinen losgeworfen. Um 11:20 Uhr geht es los. Das Wetter spielt wieder mal mit. Jetzt sind schon mal 28° C. Das lässt hoffen. Nach ca. 60 Kilometern, ohne Schleusen (!) machen wir am Restaurantschiff in Kulcs um 15:30 Uhr fest. Wir versprechen hier zu essen und dürfen die Nacht bleiben. Zufälliger Weise gibt es heute Ungarische Spezialitäten vom Grill mit Musik und alles was zu einer Beachparty dazugehört. Wir machen mit und werden wenig Schlaf bekommen. Und Morgen ? Schaun wir mal.

Tag 91 – 10. August 2013
Für heute haben wir eine kurze Strecke vorgesehen. In 56 Kilometern wollen wir in Paks festmachen. Die Beschreibung liest sich gut. Um 10:10 Uhr machen wir uns auf die Reise. Der Himmel ist bedeckt und wir haben nur 24°C. Die Donau hat es eilig und der Wind unterstützt sie mit 4-5 Bft. Es ist achterlicher Wind, sodass wir glauben schnell am Ziel zu sein. Sind wir auch. Nur – die Größe der Stege und die Wassertiefe bestärkten die Schiffsführung in ihrer Entscheidung weiterzufahren. Jetzt entschied der Wind sich zurückzuziehen. Dafür begleitet uns die Sonne. Nach weiteren 54 Kilometern laufen wir äußerst vorsichtig in Baja ein. Mit Schleichfahrt und immer das Echo im Auge tasten wir uns durch die ca 2 Km lange Einfahrt. Kurz vor dem Ziel rät das Echo jedoch zum Stoppen. Vom Ufer wird uns 60 cm Wassertiefe signalisiert. Dem Rudergänger, in diesem Fall der Kapitän selbst, gelingt es das Schiff ohne Grundberührung zu drehen und wieder auf die Donau zu führen. 1 Stunde ist so schnell vergangen. Jetzt muss eine Lösung her. Neben der Hafeneinfahrt gibt es einen Ponton für Berufsschifffahrt. „Hier machen wir fest“ entscheidet der Kapitän. Wohl ist keinem dabei. Um 19:00 Uhr ist alles so gut es geht verzurrt. In dieser Nacht schläft keiner entspannt. Immer ein Ohr auf der Donau, ob nicht doch ein Berufsschiff unseren Platz beanspruchen will.


Tag 92 – 11. August 2013 bis Tag 93 – 12. August 2013
Gerädert sind alle am Morgen um 7:00 Uhr auf. Möglichst schnell soll diese Liegestelle verlassen werden. Der Smutje Marina und unser Gast Kirstin machen sich schnell auf den Weg einen Bäcker zu finden. Erfolgsgewohnt kehren beide mit dem notwendigen Einkauf zurück. Beide stimmen überein in der Beurteilung des Hafens und des Ortes. Ein schöner Ort der mehr von unserer Aufmerksamkeit verdient hat. Nachdem der Ausdruck des Bedauerns beendet ist geht es um 8:30 Uhr weiter. Die 76 Kilometer bis zur Marina Apatin sind leicht zu schaffen. Das sonnige Wetter mit 30° C hebt die Stimmung und lässt das Erlebnis des letzten Liegeplatzes schnell verblassen. Doch 2 Dinge sind noch zu tun. Wir verlassen bei Mohács nicht nur Ungarn sondern auch die EU. Also ran an den Zoll-Steiger und ausklarieren. Offiziell gestempelte Formalitäten sind unumgänglich. Nach 1 Stunde geht es weiter. Von nun an dürfen wir nicht mehr in Ungarn anlegen. Unser nächster Halt ist Bezdan.

Wieder am Zoll-Steiger festmachen. Hier kostet es 10,- €uro, nicht verhandelbar. Zur Abwicklung der Formalitäten nutzen wir die Dienste eines Agenten. Der spricht serbisch und englisch und weiß wie der Rest geht. Nach einigen Formularen und wichtigen Stempeln sind wir in Serbien willkommen und dürfen uns nach Entrichtung einer Befahrens Gebühr in Höhe von 70,- € für die serbische Donau auf den Weg zum Zielhafen machen. Mit vorsichtiger Schleichfahrt überwinden wir die flache Hafeneinfahrt von 1,50 m (Tiefgang Calypso 1,20 m). Die Uhr zeigt 16:30 Uhr als die CALYPSO fest ist. Eine Marina die alle Herzen höher schlagen lässt. Daher bleiben wir 2 Tage. Das Einlaufbier sowie das Abendessen genießen wir im Zentrum der Stadt mit einer gemütlichen Kleinstadtatmosphäre und einer sehr belebten Fußgängerzone. Gut – es ist nicht gleich um die Ecke, und ein Spaziergang von ca 20 Minuten pro Strecke schadet uns nicht.         

Tag 94 – 13. August 2013
Diese Marina hat auch eine Tankstelle am Wasser. Nützt uns nix – mangelnde Wassertiefe. Und zum Kanister schleppen kann der Kapitän niemanden überzeugen. Sprit ist auch noch genug im Tank, also geht so los. Die Strecke heute fordert die Geduld der Schiffsführung. 100 Kilometer Kreuzfahrt auf der Donau, die aufgrund des flachen Wassers jeden Moment der Aufmerksamkeit fordert sind absolviert als wir um 17:00 Uhr in Bačka Palanka eintreffen. Der Steg ist für Arbeits- und Angelboote ausgelegt. Es gibt noch ein auf grundliegendes Clubhaus am Rande dieses Sees. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Es ist 17:00 Uhr und es wird gleich dunkel. Unter ständiger Lotung der Wassertiefen gelingt uns das Anlegemanöver. Auf Rückfrage im nahe gelegenem Restaurant wird uns der Liegeplatz für 1 Nacht gewährt. Das Bier und das Essen im Restaurant ist lecker. Der Preis unverschämt günstig. Für 3 Personen umgerechnet 30,-€. Während wir noch die abendliche Ruhe beim späten Betthupferl genießen rammt uns ein einheimischer Spätheimkehrer  mit seinem Angelboot. Daraufhin erklärt jeder dem anderen in seiner jeweiligen Muttersprache die Sichtweisen bis der späte Angler mit unverständlichem Gemurmel in der Dunkelheit verschwindet.



Tag 95 – 14. August 2013
Mit lauter Unterhaltung der Angler untereinander werden wir früh zum Aufstehen ermuntert. Meine Uhr zeigt 5:30 Uhr. Aufgrund ihres Alters, das eine gewisse Schwerhörigkeit mit sich bringt, können sie sich nicht leise unterhalten. Fische haben sie auch nicht angelockt. Unser Schlauchboot, das hinten auf der Badeplattform steht wird ins Wasser gelassen. Der Kapitän schaut sich den Schaden vom Vorabend an. Leichte Kratzer die durch polieren entfernt werden können und einer tieferen Schramme ist nichts passiert. Den Verursacher finden wir eh nicht wieder. Die Schramme wird mit Harz versorgt und soll endgültig bei passender Gelegenheit von einem Fachmann beseitigt werden. Um 8:20 Uhr ist die CALYPSO samt Mannschaft und Gäste startklar. Das neue Etappenziel ist Novi Sad. Alle Schönheiten dieser Region können wir nicht bestaunen weil die Hafeneinfahrt von Novi Sad versandet ist. Die Situationen entlang der Donau fordert immer häufiger die Phantasie der Schiffsführung. Immer öfter werden Tagestörns umgestaltet. Was liegt also näher als jetzt nach Belgrad direkt zu fahren. Um 17:30 Uhr legen wir an ein Restaurantschiff an. Heute sind es 120 Kilometer in 9 Stunden Kreuzfahrt. Ein Törn auf dem der Rudergänger schon mal wechselt. Wir werden herzlich und mit offenen Armen empfangen. Hier bleiben wir bis Montag. Unser Gast Kirstin geht Sonntag von Bord und ein neuer Gast, das Julchen, setzt die Fahrt mit uns fort. Nutzen wir die Wartezeit zu Revisionszwecken von Mensch und Maschine.


Tag 96 – 15. August 2013 bis 99 – 18. August 2013
Aus Gründen die mir nicht klar sind, sind plötzlich die Batterien trocken. Eine Batterie war leer, die Andere startet immerhin noch den Motor. Dank der sprachlichen Talente und pantomimischen Fähigkeiten des Kapitäns und der unendlichen Geduld des Big Boss vom Restoran Vodenica wird mir destilliertes Wasser besorgt. Jetzt heißt es hoffen dass es gereicht hat. Völlig unerwartet taucht die Frage nach einer Möglichkeit des Wäsche Waschens auf. Auch hier hat der Big Boss die durchschlagende Idee. „Gib mir die Wäsche, die gewaschen werden soll und morgen ist sie fertig“. Auch das klappt tadellos. Unser Kühlschrank fordert auch nochmal besondere Aufmerksamkeit. Mit 220 oder 12 Volt verrichtet er seine Arbeit widerspruchslos. Kühlen mit Gas scheint ihm abhandengekommen zu sein. Es ist nun das 3. Mal dass der Kapitän sein technisches Knowhow aufwenden muss um das Kühlen mit Gas zu ermöglichen. Durchschlagenden Erfolg muss sich bei nächster Gelegenheit ein Fachmann an diesem Kühlschrank holen. Solange wird es mit Liegeplätzen ohne Strom schwierig. Alles in allem stellt sich dieser Liegeplatz als sehr angenehm heraus. Die Sanitäranlagen beschränken sich auf das Notwendigste, sprich nur Toilette. Unsere Möglichkeiten an Bord stellen den Rest. Außerdem hatten wir ausgesprochenes Glück, wieder einmal. Gerade während unserer Liegezeit findet am gegenüberliegenden Ufer das Bierfest statt. Vergleichbar mit dem Hafenfest in Vegesack. Das Besondere ist die tägliche Musik, die ab 18:00 Uhr laut und deutlich bis morgens um 4:00 Uhr herüberschallt. Unser Wegen hätte dies nicht notgetan. Am Sonntagmorgen um 6:00 Uhr verabschieden wir Kirsten. Ihr Urlaub ist vorbei und sie fliegt nach Deutschland zurück. Mit Verspätung trifft dann gegen 17:00 Uhr das Julchen ein. Die Kraft reicht noch für ein Abendessen im Restoran, dann  sichtlich ermüdet und in Erwartung des frühen Aufstehens Morgen, gehen um 22:00 Uhr auf der CALYPSO die Lichter aus.


Tag 100 – 19. August 2013
Nachdem Frühstück und dem Erledigen aller Formalitäten wird noch der Wassertank gefüllt und der Schlüssel gedreht. Ohne zu murren nimmt der Motor seinen Dienst auf. Es ist später als wir wollten. Der Trip heute ist mit 56 Kilometer kurz und so reicht die Abfahrt um 10:00 Uhr. Der Big Boss vom Restoran informierte noch schnell das Bunkerschiff über unser Kommen und dann geht es los. Am Bunkerschiff werden wir bereits erwartet. Das Betanken stellte sich etwas schwierig dar, weil der Zapfhahn für den zarten Einfüllstutzen der CALYPSO zu groß ist. Doch das Tankerteam ist erfinderisch und nach 1 Stunde Aufenthalt sind 213 Liter €urodiesel umgefüllt. Unser Ziel Smederevo erreichen wir gegen 14:30 Uhr. Die Möglichkeiten des Anlegens sind vielfältig. Vertrauenswürdig ist jedoch etwas Anderes. Ein Mann an einem Steg winkt uns zu. Zögerlich machen wir an einem Boot um 15:10 Uhr fest. Infrastruktur gibt es hier nicht dafür ein herzliches Willkommen. Der Steg stellt besondere Anforderungen an das Gleichgewicht. Der Smutje Marina und das Julchen gehen nach einer kurzen Pause einkaufen. Abends wird mit Lotus gegrillt. Hoffentlich halten die Batterien. Schaun wir mal.


Tag 101 – 20. August 2013
Es ist 06:50 Uhr als der Kapitän aufsteht. Die Mannschaft und die Offiziere folgen zügig. Schnell ist die CALYPSO startklar und um 07:20 Uhr legen wir ab. Das beim Ablegen benutzte Bugstrahlruder schmiss dann auch das Julchen aus der Koje. Beide benutzen den gleichen Schlafplatz. Das Bugstrahlruder unter der Wasserlinie, das Julchen  darüber. Gefrühstückt wieder mal während der Fahrt und alle genießen die Reise in den Tag. Mit 126 zu fahrenden Kilometern ist bummeln verpönt. Schnell noch einen Binnenschiffer überholt und über Funk viele Informationen hören deren Inhalt der Kapitän mangels serbischer Sprachkenntnisse nicht auswerten kann. Nun ist die Donau mittlerweile wieder Grenzfluss zwischen Serbien und Rumänien geworden. Wir fahren da wo das Wasser am tiefsten ist. Ein alter Bekannter gesellt sich wieder zu uns. Ohne Scheu kommt er frontal daher und bläst uns mit locker 5-6 Windstärken mitten ins Gesicht. Dank der Willensstärke der Besatzung und an Ermangelung von Liegeplätzen wird die Fahrt fortgesetzt. Plötzlich steht eine riesiger Schaufelbagger inmitten der Fahrrinne. Die Wetterbedingte schlechte Sicht lässt nicht sofort erkennen wie die Vorbeifahrt geregelt ist, als schon die ersten gelben Begrenzungstonnen auftauchen. Instinkttief entscheidet der Kapitän richtig, als er sich für Steuerbord/Steuerbord entscheidet. Nur wenige 120 Minuten später wird das Durchhaltvermögen mit ruhigem Wasser, strahlendem Sonnenschein und angenehmen Fahrtwind belohnt. So macht Bootfahren Spaß. Die Landschaft ändert sich nun deutlich. Fuhren wir bisher durch flache Gebiete ragen jetzt gewaltige Steinberge aus dem Wasser. Die Wassertiefe geht gerne mal auf 50 Meter Tiefe. Am heutigen Tage muss die gesamte Mannschaft mal das Ruder übernehmen. Sogar das Julchen beteiligt sich bei der Navigation mit der Suche nach den spärlich ausgelegten Tonnen.  Es ist 17:00 Uhr als die CALYPSO im Stadthafen von Donji Milanowac die Leinen fest hat. Der Strom ist schnell gelegt. Der verbrauchte Treibstoff wird von der 200 Meter entfernten Tankstelle mit Kanistern aufgefüllt. Der Liegeplatz ist kostenfrei. Nach dem leckeren Abendessen an Deck wird es ziemlich schnell ruhig im Schiff. Ein langer Tag geht zu ende.


Tag 102 – 21. August 2013
Es ist 06:55 Uhr als der Kapitän aus der Koje springt weil der Wecker pflichtbewusst seinen Dienst versieht. Es ist nicht der Kreislauf der den Kapitän ins Wanken bringt, sondern der Wind der das Wasser mächtig in Bewegung hält. Nichtsdestotrotz wird an den Vorbereitungen festgehalten. Nach dem Frühstück wird bei der Mannschaftsbesprechung festgelegt:“ Wir fahren nicht“! Der Wind als geduldiger Gast bleibt und legt auch noch zu. Erst am Nachmittag lässt seine Kraft nach und wir hoffen auf morgen. Bis dahin erledigen wir einige angefallene Arbeiten. 


Tag 103 – 22. August 2013
Um 8:45 Uhr macht sich die CALYPSO bei bedeckten 23° C auf zur Weiterfahrt. Die aufgeregte und unruhige Donau fordert uns gemeinsam mit dem Wind auf, zügig unsere Reise fort zu führen. Es entsteht der Eindruck, sie will uns loswerden. Mit achterlichem Wind kommen wir gut voran. Kaum haben wir 47 Kilometer zurückgelegt und so manche Untiefe umschifft tut sich vor uns ein Bauwerk auf, dessen Bauweise nicht unbekannt ist. Es ist Djerdap 1, das Eiserne Tor 1, zu deutsch – Schleuse. Die Donau ist immer noch Grenzfluss zwischen Serbien und Rumänien. So wird auch im wöchentlichen Wechsel mal der serbische mal der rumänische Teil der Schleuse genutzt. Diese Woche ist die rumänische Seite am Arbeiten. Schnell noch eben die Gastlandflagge gewechselt und dann nach Aufforderung schnell hinein. In 2 Stufen geht es 30 Meter tief. Mit Schwimmpollern und unserer Erfahrung völlig entspannt.  Das wirklich aufregende ist die Landschaft. Steile Berge, tiefe und enge Schluchten die sich dann in riesigen Weiten ausbreiten. Donau und Wind können sich nicht zurück nehmen, als sie merken, dass wir um 15:30 Uhr in Kladovo, immer noch Serbien, festmachen wollen. Die Auswahl an Liegeplätzen ist nicht gerade üppig. Der ausgeguckte Hafen ist zu flach, am Ponton der Polizei ist es zu unruhig. Nach kurzer Besprechung der Schiffsführung ist die Entscheidung klar. Vor dem Hotel Djerdap liegt ein Ausflugsdampfer. Da rangefahren und festgemacht. Der Bootsmann des Dampfers sowie die Hotelrezeption gestatten uns das Liegen bis morgenfrüh 07:00Uhr. Dann fährt der Dampfer los. Wir stimmen zu und bekommen auf Nachfrage sogar Strom, und alles kostenlos. Die Donau tobt und der Wind brüllt. Doch die CALYPSO wehrt sich wie ein wilder Mustang und stellt sich mutig der Herausforderung. Schlafen ist jetzt eher nicht möglich. Es fühlt sich wie Schiffschaukel und Achterbahn gleichzeitig an. Nachts um 0:30 Uhr unterstützt der Kapitän nochmal zusätzlich die CALYPSO mit einer weiteren Sorgeleine. Es bleibt eine unruhige Nacht.

Tag 104 – 23. August 2013
Fast frisch und ausgeschlafen springt der Kapitän um 05:00 Uhr morgens aus der Koje um die Vorbereitungen zur Abfahrt zu treffen. Die Mannschaft folgt auf dem Fuße und leistet sofort Unterstützung. Lediglich das Julchen presst noch das Kopfkissen auf die Matratze. Sie darf das. Sie ist Gast. Um 06:45 Uhr ist die CALYPSO auf den Weg und in den Tag hinein. Die Sonne ist zu diesem Zeitpunkt mit Aufstehen auch noch nicht fertig. Wir hoffen das sie es schafft. Nach gefahrenen 68 Kilometern stehen wir wie erwartet vor der Schleuse Djerdap 2, das eiserne Tor 2. Nach einer kurzen Wartezeit sind wir nach 2 Stunden um 14:00 Uhr durch die 8 Meter tiefe Schleuse. Wir werden wieder auf der rumänischen Seite geschleust, was wieder heißt Gastflaggentausch von Serbien auf Rumänien. Bevor wir nach dem Schleusen am Polizeiponton in Prahovo, direkt hinter der Schleuse, zum ausklarieren festmachen muss wieder die serbische Gastlandflagge gezeigt werden. Das Ausklarieren dauert knappe 5 Minuten. An-und Ablegen dauert länger. Jetzt sind nur noch 70 Kilometer zurückzulegen. Der Wind hat sich zurückgezogen, die Donau fließt still dahin. Sie hält für uns andere Aufgaben bereit. Die Fahrrinne ist nicht immer da wo sie nach den aktuellen Unterlagen sein soll. Es fühlt sich an wie Wünschelrutengehen. Die Grenze zwischen Serbien und Bulgarien ist überschritten und die Gastlandflagge wird gewechselt. Und dann plötzlich passiert es! Die Sonne beginnt um 18:00 Uhr unterzugehen. Wir brauchen noch 1 Stunde Fahrzeit. Die Sonne wehrt sich mit all´ ihrer Kraft gegen die Dunkelheit und verhilft uns noch in der Dämmerung in Vidin anzulegen. Jetzt noch die Zollformalitäten erledigen. Es ist 20:00 Uhr, glauben wir, und sind jetzt in Bulgarien einklariert. Bulgarien ist uns allerdings 1 Stunde voraus und so ist es bereits 21:00 Uhr. Das rituale Einlaufbier wird geschlürft und eine Dosensuppe vom Julchen heiß gemacht. Nach diesem langen und auch anstrengenden Tag mit 136 gefahrenen Kilometern, einer Schleuse, Ausklarieren und Einklarieren gehen alle Augen früh zu.


Tag 105 – 24. August 2013
Offiziere, Mannschaft und Gast schlafen ohne Wecker aus. Nach einem ausgiebigen Frühstück werden wieder Diesel und Lebensmittel gebunkert. Strom und Wasser kann aus technischen Gründen nicht vom Steg geliefert werden. Also Kanister und Fahrräder klar gemacht und solange Diesel und Wasser rangeschafft bis alle Tanks händisch gefüllt sind. Wer weiß wann das wieder möglich ist. Wir überleben es.

Tag 106 – 25. August 2013
Bis nach Oriahovo sind es 100 Kilometer. Also nicht getrödelt und früh los. Tatsächlich legen wir um 09:10 Uhr vom Polizeianleger in Vidin ab um unsere Kreuzfahrt fortzusetzen. Das Wasser wird immer flacher und bei der sparsamen Betonnung die Navigation immer schwieriger. Das Wasser das uns unterm Schiff geblieben ist lässt die Donau gemächlich dahin fließen. Die Sonne meint es besonders gut. Liegestellen die es zu sehen gibt sind schon besetzt und sind nicht wirklich einladend. Wir schleichen so konzentriert wie möglich durchs Wasser als wir plötzlich eine unterstützende Seele vor uns haben. Ein Binnenschiff. Dem fahren wir hinterher. Seither treffen wir auch besser die Fahrrinne. Fahren ist jetzt wieder entspannt. Die Sonne wechselt langsam ihre Position mit dem Mond, als der Binnenschiffer ans linke Ufer fährt und ankert. Unser neuer Liegeplatz ist nicht weit entfernt und wir sind um 19:00 Uhr am Ponton von Oriahovo fest. Die Situation wiederholt sich auch hier. Kein Wasser, kein Strom. Abends wollen uns diverse Mücken und fliegendes Getier fressen, doch wir sind mit Mückennetz und Insektenspray gut vorbereitet. Zu unserem Abendessen gibt es lecker Dürüm – eine Art türkisches Rollo. Heute hat der Sandmann um 22:00 Uhr sein Spiel gewonnen.

Tag 107 -26. August 2013
Aufgrund der schwindenden Wassertiefe wollen wir schnell vorankommen. Der Kapitän ist schon kurz vor 06:00 Uhr mit den Vorbereitungen zur Weiterfahrt beschäftigt. Der kleine Regenschauer der zwischendurch vorbeizieht hat eher erfrischenden Charakter. Im Halbdunkel sieht der Kapitän ein Binnenschiff vorbeifahren. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Um 06:55 Uhr Leinen los und hinterher. Die Mannschaft sichtlich erschrocken meldet sich aufgrund des laufenden Motors schläfrig und irritiert zum Dienst. Auch unser Gast, das Julchen, wird fast zart vom Bugstrahlruder geweckt. Nachdem alle Gesichter ihr natürliches Strahlen wiedergefunden haben wechseln die Gesichtszüge in Staunen. Der Binnenschiffer fährt nicht weiter, sondern hat nur den Ankerplatz gewechselt. Die CALYPSO ist jetzt wieder alleine unterwegs. Der 1. Offizier und der Kapitän hangeln sich von Untiefe zu Untiefe während das Julchen für Kaffee und Frühstück sorgt. Später unterstützt sie sehr erfolgreich die Suche nach der Betonnung. Kaum ist es 19:00 Uhr und die Sonne verlässt den Himmel liegt die CALYPSO am Ponton der Polizei in Svištov fest. Gott sei Dank liegt dieser Ponton hinter einer Sandbank die nur schwer erkennbar ist. Diese Aufgabe wird fehlerfrei gelöst. Und Strom gibt es auch noch. Der Betriebsstundenzähler zeigt 649 Stunden.


Tag 108 – 27. August 2013
Unseren Liegeplatz mussten wir um 08:00 Uhr verlassen, weil ein Berufsschiffer Ansprüche angemeldet hat. Kaffee ist fast fertig. Wir verschieben Kaffee und Frühstück bis wir in Fahrt sind. Viele der Binnenschiffer stellen ihre Fahrt ein und ankern. Nun gehört die Donau bis auf wenige Ausnahmen uns. Bei trüben Wetter, schlappen 28° C und zunehmenden Wind haben wir gut zu tun. Das flache Wasser der Donau sorgt nun dafür, dass die wenigen Tonnen auch noch verlegt wurden, weil sich das Fahrwasser geändert hat. Unsere Unterlagen sind streckenweise wertlos. Alle, Offiziere, Mannschaft und Gast, sind nun auf der Brücke der Calypso um mit vereinten Kräften den rechten Weg zu finden. Glückwunsch an alle – hat geklappt. Es ist nur ein kurzer Trip. Deshalb sind um 14:00 Uhr die Leinen im Hafen Ruse fest. Lange können wir hier nicht bleiben, weil kaum noch Wasser am Steg ist. Für eine Nacht soll es reichen. Eine Waschmaschine steht zur Benutzung bereit. Diesel und Lebensmittel werden mit dem Auto geholt. Ein vorzüglicher Service für 15,- € und 20 gefahrenen Kilometern. Die Menschen sind hier sehr hilfsbereit. Trotzdem - morgen geht es weiter. Schaun wir mal.

 

Tag 109 – 28. August 2013
Der Kapitän ist um 07:00 Uhr hoch und beginnt mit den Vorbereitungen zum Tagesstart. Heute haben wir ein gedämpftes Wetter, soll heißen 25° C bei bedecktem Himmel. Luftfeuchte 85%. Um 08:00 Uhr sind die ersten Tassen Kaffee geschlürft und ein erster Apfel gemampft. Um 09.00 Uhr schieben wir uns dann langsam vom flachen Steg des Hafens ins Fahrwasser der Donau, um kurz darauf, am Ponton 10, zum Wasser bunkern wieder anzulegen. Liegegebühren im Hafen, Waschmaschinennutzung und 180 Liter Frischwasser – kostenlos. Es ist 10:00 Uhr als sich die CALYPSO auf den Weg nach Tutrakan macht. Die Sicht ist schlecht. Gegen Mittag klart es auf. Die Fahrrinnen haben wir überwiegend gut getroffen. Hat wohl damit zu tun, dass der 1. Offizier überwiegend gefahren ist. In Tutrakan machen wir am einzigen Ponton den es gibt  um 15:30 Uhr fest. Das Hafenamt ist nicht in Sicht und auch nicht über Funk erreichbar. Dafür ist jedoch das Gelände abgeschlossen und der Besuch der Stadt ist nur über einen Schleichweg für das Julchen in Begleitung der Schiffsmannschaft  möglich. Der anschließende Bericht ist nicht von Begeisterung begleitet. Langsam nehmen die einheimischen Fischer zu. In ihrer landestypischen Sprache und Gestik lassen sie den Unmut über uns durchaus spürbar werden. Den Platz den sie fürs fischen bisher nutzten haben wir jetzt belegt. Wir strahlen aufgrund mangelnder linguistischer Kenntnisse erfreut zurück. Gegen 20:00 Uhr wird es immer ruhiger und auch stockdunkel. Besatzung und Gäste ziehen sich vom Achterdeck in den Salon zurück bevor sie von den kleinen surrenden und fressgierigen Fliegern angeknabbert werden. Auch dieser Tag soll nicht ewig dauern. Schaun wir mal.  


Tag 110 – 29. August 2013
In der Nacht bekommen wir mit hellem Licht und lautem Getöse Besuch. Ein Gewitter zieht über uns vorbei. Der Regen trifft verschlafen und verspätet ein, hielt sich dafür bis zum frühen Morgen. Gegen 08:00 Uhr morgens gelang es der Sonne den Regen zum Weiterziehen zu überzeugen. Die bereits hellwache Mannschaft begann daraufhin die CALYPSO über Wasser trocken zu legen. In der morgendlichen Besprechung der Schiffsführung wird das neue Etappenziel festgelegt. Silistra heißt das Örtchen, in dem auch aus Bulgarien ausklariert werden soll. Kaum ist es 09:00 Uhr geht der Kapitän zum Pult und dreht den Schlüssel. Damit werden die 130 Pferde des Volvo geweckt. Die springen freudig erregt an und beginnen mit den Hufen zu scharren. Das niedrige Wasser und die wechselhafte Betonnung ließ auch diese Etappe zum Erlebnis werden. In Silistra  um 14:00 Uhr nach 56 Kilometern angekommen stellen wir fest, dass alle Pontons, auch der von der Polizei, trocken liegen. Also machen wir gegen jeden Widerstand des Kapitäns eines Ausflugsdampfers fest. Mannschaft und Gast bleiben an Bord der CALYPSO. Nur der Kapitän dieser Motoryacht führt das Ausklarieren durch. Klappt auch nach knapp 30 Minuten. Nun schnell auf die andere Uferseite fahren um in Ciciu –Rumänien- einzuklarieren. Das Einlaufbier gibt es im Restaurant. Das Käptn´s Dinner zum Abschied von dem Julchen im angrenzenden Hotelrestaurant. Alles ist gut und lecker.


Tag 111 – 30. August 2013
Der Regen schlich sich wiedermal in der Nacht an und weckt die Besatzung früh. Um 07:00 Uhr wird vom Kapitän das Frühstück vorbereitet. Das Julchen verlässt um 10:00 Uhr das Schiff um ins Hotel zu ziehen. Von hier aus wird sie morgen direkt zum Flughafen Bukarest gefahren um nach Hause zu fliegen. Die CALYPSO macht sich um 10:30 Uhr auf den Weg nach Cernavoda wo es durch den Kanal zum Schwarzen Meer geht. 75 Kilometern trennen uns von diesem Ziel. Doch – mache einen Plan und bring Gott zum Lächeln! Ab Kilometer 347 ist die Donau aufgrund des Niedrigwassers nicht befahrbar. Dass uns der Regen begleitet sei nur am Rande erwähnt. Erinnert er uns daran, warum wir Regenjacken mithaben. Also bei Donaukilometer 347 links abgebogen und in den Bala-Kanal. Nach 10 Kilometern treffen wir automatisch in den Borcea-Kanal zur Weiterfahrt. Uns trennen noch 4 Kilometer von der Donau als uns die Sonne das Licht ausknippst. Ankern oder Anlegen – das ist hier die Frage. Wir entscheiden uns fürs anlegen und merken viel zu spät, es ist kein Ponton sondern eine Pumpstation. Für eine Nacht werden wir auch das überleben. Die gesamte Situation beginnt an der Kraft zu zerren. Jetzt sind es nur noch rund 70 Kilometer bis Cernovoda. Dann durch den Kanal und schwupp – sind wir im Schwarzen Meer.


Tag 112 – 31. August 2013
Trotz lautem und eintönigem Brummen der Pumpstation konnte die Besatzung der CALYPSO einigermaßen schlafen. Vereinbarungsgemäß meldet der Wecker um 06:30 Uhr den Tagesanbruch. Die Sonne startet gerade den Versuch den Morgennebel vom Wasser zu schicken. Der Kaffee ist schnell gekocht und auch getrunken. Zum Frühstück gibt es heute Obst. Es ist nach rund 4 Wochen der 1. Tag ohne Gäste. Daran müssen wir uns auch wieder gewöhnen. Geht schnell. Es wird nicht lange gefackelt und um 08:30 Uhr ist die CALYPSO unterwegs zu ihrem letzten Etappen Ziel auf der Donau – Cernavoda. Die letzten 4 Kilometer im Borcea-Kanal sind zügig zurückgelegt als es dann 58 Kilometer Donau bergauf zurück nach Cernoveda geht. Über die Navigation muss nun nicht mehr gesprochen werden. Die Bedingungen sind gleich. Nur der Wasserstand hat sich nochmal nach unten korrigiert. Die gesamte Besatzung der CALYPSO ist merklich erleichtert als um 15:00 Uhr die Leinen am Polizeiponton fest sind. Das rituale Einlaufbier muss deutlich später eingenommen werden, weil es erst noch eingekauft werden muß. Frischwasser wird noch gebunkert und dann ist es geschafft. – Feierabend. Der freundliche Mitarbeiter auf dem Ponton meldet uns an der Schleuse für den nächsten Tag um 09:00 Uhr an. Schnell noch die 25,-€ Liegegebühr kassiert und alles ist gut vorbereitet. Damit geht heute ein weiterer bedeutender Abschnitt der Reise mit der CALYPSO zu ende. Nun trennen uns noch 2 Kanal-Schleusen und 65 Kilometer vom Schwarzen Meer. Wenn nichts dazwischen kommt sind wir morgen da.


Tag 113 – 1. September 2013
Schon früh ist die Besatzung auf den Beinen und kann kaum erwarten weiterzufahren. Bis zur Schleuse sind es 15 Minuten, somit ist klar dass wir uns an den vorbeifahrenden Schubverband ´dranhängen´. Denn Sportboote werden gemeinsam mit Binnenschiffen geschleust. Kurz vor der Einfahrt meldet der Kapitän nochmal die CALYPSO per Funk an. Prompt wird von der Schleuse reagiert und wir werden sehr deutlich, sogar in Deutsch, zur Rückkehr zum Ponton aufgefordert. Unser Unverständnis ist groß. Nützt aber nix. Am Ponton beginnt die ganze Anmeldeprozedur nochmal. Jetzt bekommen wir einen Schubverband zugewiesen. Der kommt tatsächlich schon um 11:30 Uhr. Das Schleusen und die Kanal-Fahrt sind entspannt bis sich der Schubverband beim Ausweichmanöver mit einem entgegenkommenden Binnenschiffer am Ufer festfährt. Dauert ´ne gute halbe Stunde. Die Entspannung wechselt in Dynamik. Wir werden per Funk von der bevorstehenden Schleuse und vom Schubverband zur zügigen Fahrt aufgefordert. Die Kanalbenutzungsgebühr für die CALYPSO muss noch entrichtet werden. Auch die letzte Schleuse geht nur mit einem Binnenschiff für uns. Die Gebühr kann nur in bar und nur in Rumänischen Lei bezahlt werden. Wir sind wiedermal gut vorbereitet und haben die 600,- Lei - = 150,-€ wie gewünscht parat. Und jetzt passiert das unglaubliche. Der Binnenschiffer fährt sich vor der Schleuse wieder fest. Es ist eben nicht einfach mit einem 300 Meter Geschoss zu manövrieren. Mit den 10,70 m der CALYPSO ist es allemal leichter. Der Binnenschiffer gibt an diesem Tag auf und wir sehen unser Vorankommen gefährdet. Während der Suche nach einem angemessenen Nachtliegeplatz werden wir sehr eindringlich zur Einfahrt in die Schleuse aufgefordert. Dieser Einladung können wir nicht widerstehen. Gegen 19:30 Uhr verlassen wir die Schleuse und die Sonne das Firmament. Wir sind im Handelshafen von Constanta. Ca. 12 Kilometer trennen uns vom Yachthafen. Jetzt gilt es – Hebel auf den Tisch, raus aus dem Hafen und über das Schwarze Meer in die Marina. An der Hafenausfahrt nötigen uns Wind, Wellen und die Schwarze Nacht für diesen Tag zur Aufgabe. Der Kapitän der CALYPSO lässt sich per Funk vom Hafenkapitän einen sicheren Liegeplatz zuweisen. Klappt tadellos. Nach dem Festmachen begrüßt uns erst der Hafenkapitän persönlich per Handschlag und dann die Polizei. Formalitäten sind überall zu jeder Zeit notwendig. Um 22:00 Uhr gehen dann in der Calypso die Lichter aus.