Der Rhein von Kehl bis Mainz

Auf einer Gesamtlänge von 1.233 Kilometer durchfließt der Rhein sechs europäische Länder. Zwischen Rheinfelden bei Basel und der Nordsee ist er auf 884 Kilometer Länge schiffbar und zählt zu den verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt.


Tag 48 – 27. Juno 2013
Das Wetter ist erträglich und so beschließen wir nach einem ruhigen Tagesanfang uns den Menschen in Kehl zu zeigen. Wir finden eine kleine Stadt mit allen Möglichkeiten, die Menschen brauchen, vor. Im Einkaufs Center, ähnlich dem Havenhöft, erledigen wir noch ein paar Einkäufe, bevor wir einen Elektrofachhändler aufsuchen. Der erklärt uns die Unterschiede zu SAT-Anlagen und wie sie einzustellen sind. Gelernt habe ich: „ Reinstecken und geht ist es gerade nicht“. Geduld und eine gute Feinmotorik sind gute Voraussetzungen um mit einer manuellen mobilen SAT-Anlage den richtigen Satelliten zu finden. Am Abend sondieren die Offiziere der CALYPSO das Bild- und Filmmaterial. Es soll auf die Homepage. Die Bilder gehen schnell. Filme, aufgrund ihrer Größe, lassen sich nicht mit WiFi ins Netz heben. Gelingt uns aber auch noch. Außerdem hat „Nina“ heute Geburtstag. Wir gratulieren ganz herzlich.


Tag 49 – 28. Juno 2013
Kehl liegt auf der rechten Rheinseite. Strasbourg gegenüber auf der Linken. Was liegt also näher um heute mal Strasbourg zu besichtigen. Der Bahnhof liegt 10 Gehminuten vom Hafen entfernt. Eine Tageskarte die für das gesamte VPN in Kehl und Strasbourg gilt kostet 10,00 €uro. Die Züge fahren alle halbe Stunde und die Fahrt dauert ca. 10 Minuten. Wir bewaffnen uns mit Sonnenbrille und Kamera und los geht’s. Es gibt viel zu sehen, modernes und historisches. In der Stadt wuselt es nur so von Menschen unterschiedlicher Nationen. Straßenmusikanten sorgen in engen Gassen für eine gemütliche Atmosphäre. In den  Straßencafés sitzen die Menschen und genießen die Sonne. Zufälliger Weise stoßen wir auf einen Wochenmarkt mit allerlei Angeboten für Essen, Trinken, Klamotten und Dingen die die Welt nicht braucht. Marina sieht das anders und ihr fällt sofort der Wunsch nach einem Rucksack wieder ein und – Glück gehabt – gibt es nicht. Wir sind ohne Stadtplan unterwegs. Die Kathedrale die vor uns auftaucht ist auch eher Zufall. Sie ist schon sehr beeindruckend. Von außen wie von innen. Was mich persönlich erschreckt sind die vielen Menschen in der Kathedrale die für einen relativ großen Geräuschpegel sorgen. Von so vielen Zufällen begleitet beschließen wir im Touristik Büro einen Stadtplan zu kaufen. Der hilft wenn wir ihn lesen können. Selbst bei Sonnenlicht mit Lesebrille bleibt es eine Herausforderung. Unser Fußgängernavi haben wir auf dem Boot gelassen. Jetzt haben wir genug gestöhnt und die Füße plattgelaufen. Und wer kommt da vorbei? Der kleine Hunger. In den vielen umliegenden Restaurants ist schnell ein gemütliches Plätzchen gefunden. Wieder einmal lassen wir uns mit einem originalen Flamkuchen verwöhnen. Gut gestärkt geht´s dann weiter. Wir können nicht glauben, dass Strasbourg keinen richtig schönen Hafen hat. Und schon geht die Suche los.  Um 14:30 Uhr brechen wir die Suche erfolglos ab.  Die Entfernung zum Bahnhof  scheint zu Fuß unüberwindbar. Der beschriebene Stadtplan gibt auch nicht wirklich Auskunft über unseren Standpunkt. Und dann kommt ´s. Ein Zug der modernsten Straßenbahn Europas fährt in Sichtweite vorbei.  Die nächste Haltestelle ist schnell gefunden und die nächste Bahn wird kurzentschlossen geentert. 3 Stationen weiter ist der Hauptbahnhof. Nach einer angemessenen Wartezeit von einer Stunde fahren wir mit dem Zug nach Kehl zurück.

Impressionen aus Strassburg

Dem verdursten nahe genießen wir im Clubrestaurant das kühle Fassbier. Marina freundet sich mit den herumflatternden Spatzen an. Mit Futter bestochen kommen die Vögel immer näher. Würden sie mit aufs Boot kommen würde Marina die Vögel adoptieren. Wiedermal Glück gehabt. Mit den Informationen des Fachhändlers vom Vortag mach ich mich nun auf die Suche nach dem richtigen Satelliten. Je länger ich dabei bin desto besser wird meine Feinmotorik. Die Geduld beherrscht mich sowieso. Dann plötzlich Erfolg auf der ganzen Linie. Der richtige Satellit mit all den Sendern die ein spießiger Abend vor dem Fernseher braucht. Nach so langer Zeit auch mal schön.

Tag 50 – 29. Juno 2013
Mit fürchterlichem Gepolter werden wir heute um 7:00 Uhr aus dem Tiefschlaf gerissen. Was ist passiert? Werden wir gerammt? Hat sich das Boot losgerissen? Werden wir von Schwänen, Enten, Krähen oder den fast adoptierten Spatzen überfallen? Die SAT-Schüssel die nur mit einem Saugfuß auf der Backskiste stand ist durch den Regen und Wind umgefallen. Und so fängt der Tag ja „gut“ an. Schaun wir mal was dieser verregnete Tag bringt. Wir  haben Glück. Wir müssen uns auf keine Veränderungen einstellen. Draußen bleibt es beim Regen, drinnen gemütlich. Die Besatzung der „Calypso“ ist sich auf Nachfrage schnell einig. Wir bleiben einen Tag länger. Doch dann passiert das Unausweichliche. Nach unserer Entscheidung länger in „Kehl“ zu bleiben zieht sich der Regen zurück. Dies ist die Gelegenheit für den Smutje und ihr Team die „Kehl`sche Einkaufswelt zu erschrecken um den eigenen Kühlschrank zu füllen. Der Kapitän füllt noch schnell den Frischwasservorrat und danach ist es Zeit für den Smutje fürs leibliche Wohl der Besatzung zu sorgen um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.


Tag 51 – 30. Juno 2013
Der Tag weckt uns mit seiner besten Seite. Zügig, jedoch ohne übertriebene Hast ist die CALYPSO zur Abreise bereit. Mit vielen lieben Wünschen werden wir auf unsere weitere Reise geschickt, gemäß dem Motto „ab auf den Rhein“, oder angelehnt an Luis Trenker „ der Rhein ruft“. Ca. 200 schnelle Kilometer sind auf dem Rhein jetzt zu befahren. Mit durchschnittlichen 21 Km/h kommen wir gut voran. Die 2 Schleusen Gambsheim - Fallhöhe 10,40 m und Iffezheim - Fallhöhe 10,30 m sind ohne großen Zeitverlust überstanden. Doch dann kräuselt sich die Stirn des Kapitäns. Gerade hat er Gas gegeben um das vor ihm fahrende Binnenschiff zu überholen, versagt der Motor seine Dienste. Jetzt ist schnelles Handeln erforderlich. Der Rhein und das Binnenschiff setzen ihre Fahrt fort. Die CALYPSO dümpelt manövrierunfähig auf dem Wasser. Ein Sportboot das ebenfalls mit uns auf dem Weg war den Binnenschiffer zu überholen, brach auf Wunsch des Kapitäns der CALYPSO sein Manöver ab um längsseits die CALYPSO fest zu machen. Das gesamte technische Personal ist damit beschäftigt den Fehler zu finden. Dank der Intelligenz heutiger Motorentechnik ist die Ursache in der Kraftstoffzufuhr zu finden. Der Dieselfilter an der Maschine hatte sich gelöst. Nach festschrauben des Filters zeigte sich der Motor sofort wieder arbeitsfreudig. Der Besatzung der SANTANA, das Schiff das uns längsseits nahm, ist nochmal ganz deutlich DANKE zu sagen. Sie begleiten uns noch viele Kilometer um am Schluss dann doch ihren Weg fortzusetzen. Nach 91 schnellen Kilometern in 6 Stunden machen wir im Motoryachtclub Germersheim  um 16:00 Uhr fest. Jetzt noch (ausnahmsweise) 2 Einlaufbier getrunken. Der Smutje versucht sich erfolgreich an Bratkartoffeln und Elsässer Wurstsalat. Nun gilt es im Nachtschlaf Energie für morgen zu sammeln.


Tag 52 – 1. July 2013
Früh morgens kurz vor 11:00 Uhr dröhnt unser Motor und fordert die Weiterreise. Bis zum Main, der bei Rheinkilometer 496 im Rhein mündet, können wir es schaffen. Immer noch ein Ohr am Motor fliegen wir förmlich übers Wasser. In Speyer und Worms zeigen sich neben den gelegentlichen Binnenschiffern nun auch Ausflugsdampfer. Der Schwell ist schon besonders und wir kommen gut miteinander zurecht. Gegen 17:00 Uhr unterbrechen wir die Fahrt auf den Rhein und fahren bei Km 494 in den Ginsheimer Altrhein zur Marina Haupt. Sehr  idyllisch gelegen. Das finden auch die zahlreichen Mücken. Wir geben gegen Abend den Kampf auf. Ihre Überzahl lässt uns den Rückzug ins Boot vornehmen.


Tag 53 – 2. July 2013
Zur Deeskalation einer Mückeninvasion und um weiteren Mückenangriffen aus dem Weg zu gehen schleichen wir uns leise um 9:50 Uhr aus dem Hafen. Der Rhein ist schnell erreicht und nun Gas und weg. Die Binnenschifffahrt nimmt allmählich zu. Dann ist es soweit. Wir verlassen den Rhein um „bergwärts“ dem Main zu folgen. Landschaftlich bleibt es eher ursprünglich. 3 Schleusen werden von uns gefordert. Doch sie fordern uns. Verwöhnt aus Frankreich wird uns aufgezeigt wie die Regeln sind. Geduld heißt die Kampfart. Binnenschiffer sind nicht nur größer sondern haben auch Vorfahrt. Im Frankfurter Westhafen finden wir die Marina die uns die nächsten 2 Nächte beheimaten  soll. Da sich überraschender Weise der Regen zu Besuch angemeldet hat wollen wir vorbereitet sein. Doch jetzt genießen wir erst einmal den lauen Sommerabend auf dem Achterdeck.